Akkulok Siemens EL9


Im März 2014 wurde eine Siemens Akkulok in der
Schweiz angeboten. Der günstige Preis machte das
Objekt interessant, obwohl die Spurweite 750mm
beträgt und der Akku nach jahrzehntelanger Standzeit
defekt war.







Die übermittelnden Bilder ließen einen guten Zustand
erwarten und so besichtigten wir die Maschine im August
2014 auf der Heimreise von unserer Tour durch die
Savoyen in Därlikon/ Schweiz.



Die Akkus waren erwartungsgemäß tot, anstatt 2 x 36V...




Doch Achsen und Antrieb zeigten sich in gutem Zustand,
soweit wir das auf dem schlecht zugänglichen Abstellplatz
feststellen konnten.









Im März 2015 war es dann endlich soweit, die Schweizer
packten die Maschine, Akku und Ladegerät auf Paletten
für den Transport nach Dossenheim.




Obwohl die Spedition im Vorfeld alles mit den Zoll-
ämtern regelte, wurde der Sattelzug 6 Stunden an
der Grenze aufgehalten. Man hatte Bedenken historische
Technik auszuführen, der Akku ist Sondermüll und darf
schon gar nicht das Land verlassen. 
Nach unzähligen Telefonaten mit diversen Schweizer
Behörden, dem armen Fahrer und der Spedition wurde
der Transport durchgelassen. Da die A5 auch dicht war
kam er anstatt wie angekündigt um 12 Uhr erst um 
20 Uhr an.















Die nun folgende gründlichere Inaugenscheinnahme
bestätigte den guten Zustand, doch der nachträglich
daran gepfuschte Beifahrersitz sollte sofort weg.




Nach einem Nachmittag flexen war es soweit:






Der Akku wurde wieder darauf gesetzt und die Lok blieb
nun erst mal bis zum Oktober 2016 unangetastet.




Zunächst wurde der Akku wieder herunter
genommen und die Tazelmotoren geöffnet.
Da keine Dreikantnüsse vorhanden waren behalf ich
mir mit einem Parkpollerschlüssel der im Auto lag.








Da hier alles einen guten Eindruck machte wurden Akkus besorgt.
72V und 120Ah im Kofferraum sorgen für Tiefgang.




Die ersten Versuche die Reihenschlussmotoren direkt
anzuklemmen schlugen im Funkenregen fehl.




Also wurde der Strom an den Anschlüssen des Akkus
eingespeist und welch Wunder- die Lok fährt!
Alle Fahrstufen, vorwärts und rückwärts, funktionieren
trotz Jahrzehnte des Stillstands.

https://youtu.be/cgnf3mv_SDY





Nachdem am Wochenende dazwischen Autoelektrik auf
dem Programm stand ging es nach zwei Wochen endlich
an der Akkulok weiter, Aussachsen ist nun angesagt.
Mit Dreikantnüssen schraubt es sich definitiv besser als mit
Pollerschlüssel, so waren die Motoren zügig abgeklemmt und
die Kabel ausgefädelt. Die Bremse wurde ausgebaut, da sind
sogar richtige Bremsbeläge auf den Bremsklötzen, und die
Federung der Motoren ausgehängt.
Dann tat sich das nächste Problem auf, die Anschläge der
Achslager sind mit M16 Inbus verschraubt.
Das war aber nicht schlimm, denn es war längst dunkel.

Wie schnell so ein Tag beim Schrauben vergeht.

Am nächsten morgen wurde ein 14er Inbus gejagt und
hoffnungsvoll damit an den mit Rostlöser und Hammer
bearbeiten Schrauben gedreht.
Eine riss ab und eine weitere musste ausgebohrt werden
da bereits der Innensechskant überdreht war.
Mit dem Rangierwagenheber wurden die Achsen sanft
abgelassen, dann hob der Stapler die Lok an und eine
weitere Lok zog die Achsen heraus.
Klingt einfach, aber es war inzwischen schon wieder dunkel...
Motor und Achse wurden noch schnell getrennt, ein
Achslager abgezogen.
Jetzt endlich in Einzelteilen ist die Lok Teile "handlich" und
kann in die Halle umziehen, ich habe zwei Tage im Regen
schrauben satt.




















Eine Woche darauf ging die Zerlegung der Achsen weiter.
Die Lager wurden abgezogen und die Zahnräder entfernt.
3 Dosen Bremsenreiniger und die Flex mit Zopfbürste tobten
sich anschließend an den Achsen aus.
Nun sieht man, dass die Räder weit außen auf der Achse
sitzen und daher Hülsen an die Räder angeschweißt
wurden, die für die Führung des Tatzelmotors nötig sind.
Die Räder sollten sich also samt Hülsen Abpressen lassen,
anschließend müssen die Hülsen um je 75mm gekürzt und
wieder aufgepresst werden.

Mal sehen ob das so einfach geht.


Das Abziehen der Achslager.








Überblick auf das Schlachtfeld.




Die Achsen wurden nach Bruchsal zum Abpressen
gebracht. Danach wurde die Akkulok weiter von
unnützen Anbauten befreit.










Schon vor dem Kauf war klar dass es nicht erstrebenswert
ist den letzten Betriebszustand dieser Maschine zu erhalten.
Daher wurde jetzt die Gelegenheit genutzt, den Rahmen
von innen mechanisch zu entrosten, grundieren und
lackieren, damit die überarbeiteten Achsen, Motoren,
Bremsen und Federn gleich endgültig einziehen können.
Normalerweise lackiere ich keine Kabel mit, aber da die
auch schon gelb waren und später kaum sichtbar wurde
hier eben gepfuscht.











Dann konnten die abgepressten Räder bei der Firma
Metzger abgeholt werden. Sie hatten 12 Stunden daran
probiert, erst mit viel Hitze und 400 Tonnen auf der
Presse lösten sich die Räder von den Achsen.




Hier waren Profis am Werk, meine erste Kontrolle galt
der Maßhaltigkeit der Lagersitze.
Die Bügelmessschraube meldet alles bestens.




Nun wurde mit dem Tiefenmaß und einem Flacheisen
das Maß ermittelt, welches nach dem Kürzen um 75mm
übrig sein muss.




Kein Dreher mag in eine Schweißnaht abstechen also
frisst sich die Flex mit der 1mm Scheibe hinein.




Bei den beiden linken Rädern dient der Bund als axialer
Anschlag für die Elektromotoren, während rechts noch
die Zahnräder als Anschlag dazwischen sitzen.
Daher wurden die beiden linken Räder nach 4 Stunden
flexen wieder auf den Anhänger verfrachtet.






Am Samstag morgen ging es früh übern Berg nach
Wiesloch.
Beim dortigen Fahrtag sonnte sich bereits die frisch
heimgekehrte DS40, welche früher hier bis 1979 bei
der Tonwarenindustrie Wiesloch eingesetzt war.
Nach der ersten Inaugenscheinnahme hat ihr die Ost-
seeluft ganz gut bekommen.





Doch mein Ziel war die dortige Drehmaschine.
Zum Glück gibt es überall Rückenschoner.







Da das Plandrehen der beiden Räder schnell erledigt
war konnten wir noch eine Runde auf der neuen
Fahrstrecke drehen. Ist sehr schön geworden, inzwischen
auch bei ordentlicher Gleislage.
Da steckt viel Arbeit drin bzw. drunter.
Danke schön Wieslocher Feldbahner!

Nachmittags wurden die Fressspuren auf den Achsen
mit dem Abziehstein geglättet, noch mal alle Maße
kontrolliert und wieder auf den Hänger verladen,
denn am Montag soll die Firma Metzger ja wieder
etwas zu tun bekommen.

Danach war noch Zeit Achslager, Federn, Motoren
und Anbauteile zu entrosten, abgerissene Schrauben
auszubohren und alle Gewinde nachzuschneiden.
Spät in der Nacht konnte dann alles grundiert werden.
Am Sonntag Abend erfolgte die Lackierung.




Vier Wochen später lassen die Achsen noch auf sich warten,
nun wird die Bremse aufgearbeitet und für die neue Spurweite
angepasst.

Aus dem Quereisen werden Stücke herausgesägt und so gekürzt
wieder verschweißt.
Die Führungstücke werden verbreitert.





Gewinde der Nachstellvorrichtungen werden gängig gemacht
oder ersetzt.




Die Einbaulage an jedem Teil markiert.




Festgerostete Bolzen mit viel Rostlöser und noch mehr
Gewalt gelöst. Anschließend die Bolzen überschliefen und
die verhämmerten Bohrungen für die Splinte nachgebohrt.




Alles wird mechanisch mit dem Negerkeks entrostet, auch
die vordere, ex-geschützte Dominit Lampe der Lok.






am Abend verteilt die Sprühpistole Grundierung auf dem
blanken Stahl,




und einen Tag später schwarzen Lack. Aufgrund eisiger
Temperaturen in der Werkstatt muss das Material nun im
Keller trocknen.




Alles wartet nun nur noch auf den Einbau.




Anfang Februar 2017 konnten die fertigen Achsen bei der
Firma Metzger in Bruchsal abgeholt werden.
Wie sich später zeigte wurde gute Arbeit abgeliefert, alle Maße
passen.




In der heimischen Werkstatt richtete ich mir einen rücken-
schonenden Arbeitsplatz für die Montage ein.




Zahnrad und Lager werden montiert. Nun kann das Maß
zwischen Zahnrad und Rad ermittelt werden, denn dazwischen
ist der Motor gelagert.




Die Lager am Motor werden vermessen. Wie geplant sind
hier jetzt ein paar Millimeter zu viel, damit er jetzt genau zwischen
die Räder eingepasst werden kann.




Der Bund der Lagerschalen wird daher auf Maß abgedreht.








Alles passt, dreht freigänig und wird sofort verladen.










Die Überarbeitete Bremse nimmt Platz.




Wie sich später herausstellt muss das Quereisen nachgearbeitet
werden. Aber für die Probefahrt bleibt es zunächst montiert,
denn die Bremse funktioniert damit immerhin an einer Seite.




Einen Tag später ist die erste Achse montiert, die zweite
schwebt gerade in ihren Arbeitsplatz.




Der Motor wollte allerdings gar nicht an seine Aufhängung und
musste mit Brechstangen und Spanngurt dazu gebracht werden.








Sarah und Alica übernehmen den elektrischen Anschluss der
Motoren.




Bei so viel Motivation findet sogar die Mittagspause auf der
Lok statt.








Die Probefahrt fiel ganz gut aus, es gibt Probleme mit der
Federung der Vorderachse, hier fehlt das Gewicht der
ursprünglichen, 1500 Kg schweren Batterie.




Nach dem Erfolg auch an Steigungen wurde ein Zug angehängt.
Es kündigte sich Unheil an, den manchmal blieb die Maschine
auf der höchsten Fahrstufe stehen und die provisorische
Verkabelung des rechten Akkublocks brannte mehrfach durch,
was ich zu dem Zeitpunkt noch der Verkabelung selbst zuschrieb.

Mit Alica im Fahrstand passt das Gleichgewicht der Achsen besser.



Doch leider war dann nach einer Stunde Fahren ein dauerhafter
Kurzschluss im rechten Stromkreis, vermutlich ist die Ursache
im Fahrschalter zu suchen. Das ist natürlich ein sehr herber
Rückschlag der das Projekt durchaus zum Scheitern bringen
kann. Aber so schnell geben wir natürlich nicht auf.

https://youtu.be/Ir-hJ4L_Ai4



Die Palette mit den Akkus wurde wieder auf den Anhänger
geladen und zuhause unter Aufsicht geladen.
Es sind 12 Bleigelakkus mit 6V / 115 Ah und 12V /65 Ah so
in Reihe bzw. parallel geschaltet, dass sie zwei Blöcke
mit je 36 V und 115 Ah ergeben. Zum Laden wurden sie
entsprechend dem 24 V / 50 A Ladegerät von einer Kehrmaschine
anders gebrückt. Das gleichzeitige Laden dauerte nur drei
Stunden, nicht schlecht für eine Stunde fahren. Für die endgültige
Version steht noch einmal die gleich Menge Akkus zur Verfügung,
so dass 230 Ah zur verfügung stehen und damit die Kapazität
durchaus für den Museumsbetrieb aus reicht. Diese sollen alle
in den ursprünglichen Akkutrog montiert werden.
Doch wie oben beschrieben haben wir im Moment ganz
andere Sorgen.



 
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Fahrtage
 
Sonntag, 2.7.2017 11-17 Uhr

Sonntag, 24.9.2017 11-17 Uhr

Fahrten mit dem Personenzug
nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

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