Pyrenäen 2009
Diese Geschichte handelt von vielen rostigen Objekten,
einer riesigen Anzahl Ruinen,
von einigen Löchern im Berg,
einer wunderschönen Natur
und der erneuten Erkenntnis, dass im Ausland doch ein bisschen mehr von Altbergbau übrig ist.
 
Die Hauptakteure sind:
-Ein Verrückter, der sich für all das interessiert und im unwegsamen Gelände herumläuft, während andere am Strand liegen.
-Seine Familie, die diese Interessen nur bedingt teilt aber ansonsten duldet.
-Ein Hund, der Stolleneingänge erschnüffelt und gerne Hasen und Wildschweine jagt.
-Ein alter VW Bus, der eigentlich schon mehrfach das Rentenalter erreicht hat und stattdessen für Fahrten abseits der befestigen Wege und das Wildcampen ausgerüstet wurde.
 
Dieses Jahr sollte es im Urlaub zum ersten Mal in die Pyrenäen gehen. Neben dem Baden im Mittelmeer, der Besichtigung einiger Städte, Burgen, Höhlen und Schluchten wurden auch einige Bergbauexkursionen eingeplant.
 Am Fuße des 2785m hohen Caniguo soll es eine Eisenlagerstätte geben, die so mächtig ist, dass sie durch Irreführung der Kompassnadeln für die vielen Flugzeugunglücke in der Region mitverantwortlich gemacht wurde. Grund genug, der Gegend mal ein Besuch abzustatten. Als Ausgangspunkt wurde der aus 20 Häusern bestehende Ort Valmanya an der Rückseite des Canigou gewählt.
 


Diese alten Schmelzöfen standen neben der Straße und wurden von einer Seilbahn mit dem Erz aus den weit entfernten Gruben versorgt.
 



Bei der Anfahrt zeigte uns diese Denkmalseilbahn, dass wir hier richtig sind.
 

In Valmanya steht vor dem Musee’ de Résistance diese Lore. 1944 war Valmanya wegen seiner abgeschiedenen Lage eine Hochburg der Résistance. Der Ort wurde damals von den Nazis angriffen und komplett niedergebrannt, die Widerstandskämpfer und der Rest der Bevölkerung, der noch nicht geflohen war, massakriert.


Da wir uns an diesem Ort mit seinen Gedenkstätten als Deutsche nicht wohl fühlten, versteckten wir uns mit unserm Campingbus im Wald, um von dort aus am nächsten Morgen den Aufstieg zu den Mines de Pinouse in Angriff zu nehmen.
Dieser herrliche Bus stützt den Wegweiser
 
 
Nach 2 Stunden Aufstieg waren die Grubengebäude zu sehen. Auf 1360m Höhe gelegen, war der Weg dorthin zu Betriebszeiten nur mit Maultieren zu bewältigen.
 

Als nächstes lag ein Lorenfahrgestell im Wald


 
Oben angekommen: rechts die Seilbahnverladung, darüber die Wohnkasernen, links das Maschinenhaus, dahinter, von den Bäumen verdeckt, die Stolleneingänge und die Betriebsgebäude. Zwischen Hund und Maschinenhaus der offene Schacht.
 
Blick in den Maschinenschacht: Einst auf 170m abgeteuft, ist er jetzt immerhin noch 10m tief, und wie in Frankreich üblich, völlig ungesichert direkt am Wanderweg.
 

In den ehemaligen Wohnhäusern lebten in der Zeit der industriellen Abbauperiode 1904-1931 bis zu 100 Bergarbeiter mit nur 3 Toiletten. Die jährliche Förderung Betrug 40000t Eisenerz.
Auch hier spielten sich am 3.August 1944 grausige Szenen ab, da sich hier die letzten Widerstandskämpfer auf der Flucht verschanzten und von dem Rachetrupp Nazis überwältigt, gefoltert und erschossen wurden. Auch hier wurden die Gebäude niedergebrannt.
 


Bald darauf weckte diese Garage unser Interesse. Kenner werden bereits vermuten, es handelt sich dabei um einen „Schneestollen“. Dieser schützt den eigentlichen Stolleneingang vor Schnee und Lawinen.
 







 
Blick aus dem Stollen auf die Betriebsgebäude.
Von hier aus ging eine Seilbahn zu den Mines de Roquegabère, die (Feld)Bahnanschluss hatte. 


Auf schmalen Pfaden ging es dann weiter zu den Mines de Roquegabère. Immer wieder kreuzte das Tragseil der ehemaligen Materialseilbahn den Weg. Meine Familie hat hier bereits den Rückweg zum VW Bus angetreten, so dass mich nur noch der Hund begleitete.  


Nach einer weiteren Stunde war ich am nächsten Ziel: Bei den Mines de Roquegabère gab es nur wenig Betriebsgebäude




Dafür diese Drehscheibe in 500mm Spurweite
 

Und diese Lorenwanne, liegt fast 80 Jahre im Dreck und keine Durchrostung zu sehen.


Dieses große Mundloch hielt ich zunächst für einen Stollen, es war aber ein  Feldbahntunnel
 
Nachdem der Tunnel durchschritten war, sah man auf der anderen Seite diese Erzverladung über der Feldbahnstrecke.
 


Oben angekommen, führte mich der Hund auch gleich zum Stollen


Es war aber nur die Sprengkammer


Der Eingang zur Grube fand sich dann 100m weiter im Bachbett des nächsten Tales.
Das Wasser stand knapp hüfthoch im Eingang, was von Mensch und Hund dankbar als Erfrischung angenommen wurde.
 
Auf den ersten 300 m des Förderstollens lagen nur Holzschwellen, dann kamen Gleise mit breiten Blechschwellen in Sicht


 Die Gleise waren zum Teil ausgebaut und wurden wohl durch das Berginnere abtransportiert. Die Grube war mit anderen Gruben auf der anderen Seite durchschlägig, die länger in Betrieb waren. 

Das Grubenmonster
 
 


Nach 700m war der Stollen verbrochen, es gab auch nach einer kurzen Probegrabung kein Durchkommen
 

Also ging es wieder aus dem Stollen hinaus, die Grubenbahnstrecke entlang, an der Verladung hinunter zur Feldbahnstrecke, am Bahntunnel und den Grubengebäuden vorbei um zu sehen, wo die Feldbahnstrecke hinführt, wobei mir schon klar war, dass ich das andere Ende der Bahn heute nicht mehr zu Fuß erreichen könnte.

 

Bald stand ich wieder vor einem Tunnel.


Diesmal war ein Durchkommen möglich, der First war verrußt, also wurden Dampfloks eingesetzt, was die Länge der Strecke und die Betriebszeit sowieso vermuten lässt.
 

 Als der 50m lange Tunnel durchklettert war, kam die Überraschung


Die Strecke verzweigte sich und führte durch diesen kleinen Tunnel zur Verladeanlage Nr.2.
Hier wurde das Erz der Mines de Pinouse von der Seilbahn auf die Lorenbahn umgeladen.
20m nach der Verladeanlage endet die Bahnstrecke unvermittelt an einem Abgrund.
 
Also ging es weiter in die andere Richtung die Bahnstrecke
 
Dann zweigte eine Steilstrecke ab, die auf einem Platz über der Seilbahnverladung endete


 Nach weiteren 1,5Std Wandern auf der mittlerweile unspektakulär durch den Wald führenden ehemaligen Bahnstrecke hab ich mich dann auf den Rückweg gemacht, vorbei an den beiden Minen.


Als ich nach 4Std kurz vor der Dunkelheit am VW Bus ankam, hatte meine Frau schon was gekocht und ich freute mich auf die warme Dusche vor dem Schlafengehen.
 



Am nächsten Morgen ging es mit dem Auto in Richtung La Batide, wo wir auf dem Pass die ehemalige Feldbahnstrecke fanden. Wie sich zeigte, war diese in unsere weitere Richtung als Forstweg ausgebaut und befahrbar.
 
Schon bald waren die Mines de Fer les Manerots unter uns zusehen.

 
Schon beim Abstieg zeigte sich, dass es sich dabei zumindest teilweise um einen Tagebau handeln muss.


Nach einer halben Stunde klettern standen wir auf dem Grubengelände. Leider handelt es sich bei dem Stollen nur um einen kurzen Suchstollen


Außerdem gab es einige offene mittelalterliche Schächte, die der Tagebau angeschnitten hatte.


Beim Herumklettern in einer der oberen Sohle wurde noch ein Stollen entdeckt.


Nachdem dieser für sicher befunden wurde, durften die Kinder auch mit rein.
 
 
Auf der anderen Talseite standen wieder ein Schmelzofen und die Betriebsgebäude.


Beim Abstieg fand sich noch eine Lore
 





Dieses Mal hatte der Ofen ein „Innenleben“. Für die Öfen in der Gegend wurde damals ein Gebläse entwickelt, welches mit Wasserkraft betrieben wurde.
 
Direkt daneben die Verladung


Hier stehen wir vor der Talstation des Bremsberges, der bis zur 
zum Forstweg ausgebauten Feldbahntrasse führt, auf der unser Bus stand. Oben muss früher irgendwie vom Bremsberg auf die Bahn umgeladen worden sein.


Vorher fanden wir noch diese Achse, die wohl von einer Bremsbergbühne stammt.


Dann ging es einige Km weiter bis zum Gare Miniere de Formentera (Bergwerksbahnhof Formentera).
Dort konnten wir direkt mit dem Auto hineinfahren.
 

Die Feldbahn hat  von den weiter oben vorgestellten Mines de Roquegabère bis hierher 12,5 km zurückgelegt. Die Seilbahn zu den Mines de Pinouse kommt noch dazu. 
 

Von hier aus ging es wieder per Materialseilbahn ins 10km entfernte, 700m tiefer gelegene „Eisenzentrum“ Montbolo. Hier die Seilbahnverladung.

 
Aufgrund der immensen Transportwege war es einfacher, das Erz vor Ort zu schmelzen, um weniger Masse transportieren zu müssen. Deshalb war auch hier wieder ein Ofen anzutreffen.


Da recht schnell sämtliche Wälder der Umgegend abgeholzt waren und der Transport von Kohle hier hoch zu teuer wurde, war das Grubenstreben bereits in den 30er Jahren unausweichlich.
 



 
Oben am Berg hinter uns ist der verfallene Bergwerksbahnhof, als war wir am nächsten morgen starten.
 
-Der alte Bus und seine und seine Insassen richten Ihre Blicke gegen Westen, in Richtung Mines de Batere`, und alle fragen sich, welche Abenteuer dort warten.-
 
Nachdem wir den Bergwerksbahnhof Fotmentera hinter uns gelassen hatten, kamen wir vorbei am Turm von Batere`, einem verfallenem römischen Wachturm.
 
  
Kurz danach waren auch schon die ersten Tagebaupingen der Mines de Batere`zu sehen.
  
Dieses verfallene Mundloch verfügte wieder über einen Schneestollen, diesmal in der klassischen Ausführung, zwei Mauern die mit Brettern abgedeckt waren. Übrig waren natürlich nur die Mauerreste. Die Grube war nach 16 km mit der Mines de Pinouse durchschlägig, die genau auf der anderen Bergseite liegt.
  

Der Schneestollen führte in einem Bogen auf die stark verfallene Aufbereitung
  

Von der Talseite erkennt man die Größe der Anlage
  
Daneben die Waschkaue


Ein Schmelzofen gab es auch wieder, allerdings stark zerfallen


 
Da diese vielen alten Ruinen nach 3 Tagen langsam langweilig wurden, machten wir uns auf den Weg zu Tal und fanden diesen LKW Stollen, der bis 1994 in Betrieb war.
 
Wieder einige 100 m weiter unten war der 2. LKW Stollen, links von dem Masten hinter den Büschen.



In diesem Blechhangar wurden einst die gleislosen Grubenfahrzeuge repariert.
 

 
Danach verzogen wir uns in ein einsames Seitental und übernachteten an einem verfallenen Bauernhof.
  
Am nächsten Tag im 1200 Höhenmetern tiefer gelegenen Arles-sur-Tech fanden wir dieses Eisenwerk.
 







Von hier aus fuhren wir noch einige Gruben über die spanischen Grenze auf teilweise extrem steilen und schlechten Wegen an. Der VW Bus stieß hier des öfteren an seine Grenzen, und wir mussten den Rest zu Fuß erkunden. Leider wurde dies nicht belohnt, wir standen meist nur vor undurchdringlichem Dornengebüsch und konnten nur spärlich Reste vom Bergbau entdecken. Daher verzogen wir uns nach 3 Tagen vergeblichen Suchen wieder ans Mittelmeer zum Baden. Wir hätten doch auf der französischen Seite bleiben sollen, die war interessanter.
Pyrenäen, wir kommen wieder!
 
 
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Fahrtage
 
Sonntag, 2.7.2017 11-17 Uhr

Sonntag, 24.9.2017 11-17 Uhr

Fahrten mit dem Personenzug
nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

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