VW 1600 Variant (Typ 3)

VW 1600L Variant, Baujahr 1970





1961 entwickelte VW diese Baureihe für Kunden, die dem Käfer entwachsen waren. Erst 1974 wurde er durch den Passat abgelöst.
Bereits bei seinem Erscheinen 1961 wurde der Typ 3, den es zunächst nur mit Stufenheck gab, von Kritikern als veraltete Konstruktion verspottet.
1962 wurde der praktische Variant vorgestellt.
Da die Verkaufszahlen weit hinter den Erwartungen zurückblieben, gab es 1965 noch eine Schrägheckvariante, den TL. Im Volksmund schnell als "Traurige Lösung" verschrien, kam er auch nur mäßig an.
Immerhin wurden 2,58 Millionen Typ 3 gebaut, fast die Hälfte stellte der praktische Variant. 
Technisch dem Käfer entsprechend, werkelt auch bei diesem Fahrzeug ein luftgekühlter Boxermotor im Heck, allerdings als Flachmotor mit zwei Vergasern. Daher gibt es zwei Kofferräume. Ebenso wie der Käfer verfügt er über eine Plattformrahmen, der mit der Karosserie verschraubt ist. Ab 1967 haben die Typ 3 eine Schräglenkerhinterachse, vorher eine Pendelachse. Vorne ist eine Kugelgelenkachse verbaut.
Doch das biedere Auto konnte ab 1968 mit einer Besonderheit aufwarten:
Als erstes Serienfahrzeug weltweit konnte eine Einspritzanlage als Option bestellt werden.








Der serienmäßige Käfermotor mit 54 Ps, der normalerweise für Vortrieb sorgt, wurde durch einen neu aufgebauten TypIV Motor aus dem VW-Porsche 914 ersetzt. Da das noch nicht genügte, habe ich unter Anderem die Verdichtung erhöht, die Schwungscheibe erleichtert und eine 312°Nockenwelle verbaut. Zur besseren Beatmung wurden 2 Doppelvergaser Weber 40DNCF auf polierten Ansaugstutzen verbaut, die normalerweise den Ferrari 308 GTB beatmen.
Selbstverständlich mussten auch Bremse, Fahrwerk und Getriebe der um ein mehrfaches gestiegenen Motorleistung angepasst werden.
Ich liebe Autos der Gattung Wolf im Schafspelz.
 


So ausgerüstet, macht das Fahren auch auf dem Hockenheimring Spaß und auch der TÜV hat seine Zustimmung gegeben.







Okay, es gibt auch noch schnellere...

http://www.youtube.com/watch?v=TrWeHfjpy0A








Ich kaufte ihn 1992 in rostfreiem, aber verbeulten Zustand. Der Motor sprang nach 16 Jahren Stillstand sofort an, als der Wagen eine neue Batterie und Sprit bekam. Der Vorbesitzer, ein Bauer, hatte ihn bereits 1976 stillgelegt.
Die Neuerwerbung wurde mit dem Käfer nach Hause geschleppt. Allerdings gingen nach wenigen Kilometern die Bremsen fest und begannen zu qualmen. Der davor gespannte Käfer hatte größte Mühe, den bremsenden Typ 3 die 40 Kilometer zu schleppen. Besonders durch Heidelberg mit seinen vielen Ampeln gab es oft ein Kräftemessen beim Anfahren zwischen Typ 3 Bremse und Käferkupplung.
Auf der Schnellstrasse Richtung Neckargemünd ließ die Bremswirkung nach, da sich die letzten Fetzen der Bremsbeläge in Rauch auflösten.



Die Bremse wurde ringsum erneuert, dann ging es über den TÜV.
Zum Jahreswechsel 1992/93 konnte ich 4 Wochen am Stück Urlaub nehmen und das Auto in Nordfriesland bei den Schwiegereltern in der Zeit restaurieren.
Der Zeitplan war straff, da parallel dazu auch noch ein Käfer lackiert wurde.

Die Innenausstattung war nicht mehr zu gebrauchen und musste entsorgt werden.












Nach der Zerlegung kamen beide Autos in die benachbarte Werkstatt zur Vorbereitung der Lackierung.






Nach der Grundierung wurden der Unterboden, Innenraum, vorderer Kofferraum und die Radkästen in Wagenfarbe lackiert.



Die Außenlackierung überließen wir Profis, daher wurden beide Autos per Anhänger in eine Lackiererei gebracht.
Für die Lackierung wurde damals 700 Mark pro Fahrzeug verlangt.
Wenn ich heute zu einem Lackierer gehe und frage, ob er mir für 2000 Euro mein Auto lackiert, schmeißt er mich aus dem Laden. Was ist falsch gelaufen?

Drei Tage später...





Für den Zusammenbau beider Autos war nur noch 4 Tage Zeit.
 


Sonntagmittag 12h waren beide Autos fertig und es ging die 750 Km bis nach Hause, um am nächsten Morgen 7h wieder die Arbeit anzutreten.
Damals war es in, alle Chromteile in Wagenfarbe mitzulackieren.




Inzwischen ist März 1993 und der Typ 3 soll schneller werden. Dazu wurde ein gebrauchter Typ 4  Motor vom VW Porsche 914 mit 1,7 Liter und 80 PS gekauft.
Zusammen mit einem gebrauchtem 1303S Getriebe und einer Ölkühlanlage sollte er nun für besseren Vortrieb sorgen. 195er Breitreifen, Heckstabi, Konidämpfer und Tieferlegung durch Verstellung der Drehstäbe vorne sollten die Fuhre auf der Strasse halten. Hinten erfolgte die Tieferlegung durch den schwereren Motor.
Nach 2 Wochen Arbeit war das Auto fertig für die Probefahrt. Leider hatte ich in der spießigen Wohngegend einige mir gar nicht wohlgesonnen Nachbarn, die schon wieder auf der Lauer lagen.
Daher schraubte ich bei geschlossenem Garagentor und fuhr gleich los, als der Motor startete. Das hätte ich besser nicht gemacht, denn am Ölkühler war eine Verschraubung locker und das Motoröl spritzte auf die Strasse. Nach einigen Metern stoppte ich wegen der nicht erloschenen Öldruckwarnleuchte und sah die Bescherung. Die Ölspur wurde mit Tüchern aufgefangen, die Verschraubung nachgezogen und die Proberfahrt fortgesetzt. Doch der nächste Frust ließ nicht lange auf sich warten, denn der 2.Gang des gebraucht gekauften Getriebes war defekt. Am Ortsausgang klapperte dann der Motor, Diagnose: Pleuellagerschaden. Gefrustet stellte ich die Kiste ab und lief nach Hause. Dort wartete bereits die Polizei auf mich, die von meinen lieben Nachbarn wegen der Ölspur gerufen worden war. Nachdem ich bei der Feuerwehr Ölbindemittel holte und damit die Ölpest beseitige, zogen die Herren scheinbar zufrieden wieder ab.
Dann machten wir uns auf, mit dem Bus den Typ 3 Heimzuschleppen.
Beim wieder Einparken zuhause fuhr ich dann auch noch mit dem Bus gegen meinen dahinter abgestellten Tuningkäfer und die Busanhängerkupplung verewigte sich zur Freude meiner Nachbarn im Käferheckabschlussblech.
Eine Stunde später erschienen wieder die gelangweilten Polizisten und interessierten sich nun für den auf der Strasse abgestellten Typ 3. Prompt fielen ihnen die nicht eingetragenen neu montierten breiten Felgen und Reifen auf, was eine fette Geldbuße und eine zwangsweise Stilllegung nach sich ziehen sollte, was ich aber beides nach vielen Telefonaten mit wiehernden Amtsschimmeln abwenden konnte.

Von dieser Episode ließ ich mich keineswegs entmutigen, im Gegenteil, jetzt erst recht.
Der Käfer bekam schon zwei Tage später ein neues Heckabschlussblech, der Bau eines neuen Motors für den Typ 3 wurde geplant und durchgeführt. Vom alten Motor wurde nur das Motorgehäuse verwendet, alles andere wurde durch Neuteile und Tuningteile ersetzt.
Der Motor sorgt für eine Beschleunigung von unter 10 Sekunden, was 1993 nur Autos wie der Golf GTI schafften.
Dementsprechend groß war der Fahrspaß, da dies keiner dem alten Kombi zutraute.


Der frisch zusammengebaute Rumpfmotor, 1993.




20 Jahre später machte ein defektes Pilotlager den Ausbau des Antriebs notwendig.







Das Pilotlager sitzt in der Kurbellwelle und führt die Getriebeeingangswelle, auf der die Reibplatte der Kupplung sitzt.



Bei der Gelegenheit lassen sich gleich weitere Wartungsarbeiten erledigen, hier Ventile einstellen:



Die Probefahrt führte ins Frankfurter Feldbahnmuseum zum Oldtimertreffen.





Andere Typ 3 hatten nicht so viel Glück.
Diesen Stufenheck kauften wir 1994 für 10 Mark und schlachteten ihn direkt vor dem Schrotthändler.



Dieser Variant aus den frühen 60er wurde in den Schacht eines Bergwerks gestürzt.




 
 
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Fahrtage
 
Sonntag, 2.7.2017 11-17 Uhr

Sonntag, 24.9.2017 11-17 Uhr

Fahrten mit dem Personenzug
nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

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