Erzhunte

Bei unseren Bergbautouren finden wir so manchen schönen Wagen unter Tage, so wie dieser genietete Hunt tief in einer Siegerländer Eisenerzgrube, die namentlich nicht genannt werden will.



Auf meiner Wunschliste stand solch ein genieteter Hunt aus einer süd-westdeutschen Erzgrube mit Geschichte schon lange ganz weit oben.
Doch bei allen bisherigen Funden scheiterte eine Bergung für unser Museum entweder aus technischen oder politischen Gründen.





Heute geht es um eine Geschichte, die im Jahr 1985 in Niederhövels an der Sieg ihren Anfang nahm.
Damals führte uns eine unserer ersten Grubentouren überhaupt ins Siegerland und dort unter anderem auf die 1964 stillgelegte Eisenerzgrube Eupel. Hier waren zeitweise bis zu 500 Bergleute beschäftigt und förderten in der 632m tiefen Grube 3,9 Millionen Tonnen Eisenerz im Braun.- und Spateisenstein.

1985 trafen wir auf dem Schachtgelände genietete Hunte mit 600mm Spurweite an, die hier gelaufen sind. Diese Hunte gefielen uns damals schon besonders gut, verkörpern sie doch die Industrialisierung im Erzbergbau Anfang des 20 Jh. 
Außerdem waren hier noch eine seltene Krauss-Maffei Fahrdrahtlok von 1948 und geschweißte Hunte mit 575mm Spurweite abgestellt, die von der Sachtlebenschen Schwefelkiesgrube Meggen in Lennestadt-Meggen stammten.




Die beiden rostigen Hunte (oberes Bild mitte und unteres Bild rechts) werden Jahrzehnte später eine Rolle spielen.



Außerdem waren hier noch die 2,70m langen "Postwagen" aus der Grube Meggen mit 740mm Spurweite anzutreffen. Sie haben abnehmbare Kübel und dienten dem Materialtransport in Meggen auf der 8.-11.Sohle, bis sie 1982 ausgemustert wurden.



Bilder: Ruth Schilling


Irgendwann in den 90er verschwanden die Wagen, die Fahrdrahtlok wurde als Denkmallok in Katzwinkel aufgestellt.



2013 bekamen wir einen Tipp, dass auf der Eupel Hunte zu verkaufen sind. Keine 24 Stunden später trafen wir uns mit dem Verkäufer auf dem Grubengelände.
Hinter dem Audi stand einst der Förderturm.




Im Schachtgebäude liegen die Fahrgestelle der Postwagen, die Kübel sind leider verschwunden. Da sich kein Käufer findet, werden sie vermutlich demnächst verschrottet.



Die genieteten Eupelhunte und die geschweißten Hunte aus Meggen waren die ganzen Jahrzehnte im Magazin einer auf dem Schachtgelände ansässigen Spedition eingelagert.




Die beiden genieteten Hunte wurden ohne Handeln sofort aufgeladen.  



Wie man sieht, habe ich mehr Ladekapazität einkalkuliert, doch die Hunte aus Meggen haben mir und den anderen anwesenden Bergbau.- und Feldbahnfreunden nicht gefallen.



Ein Hunt im Rückspiegel sorgt für Dauergrinsen beim Fahrer.



Auf der Rückfahrt wurden noch einige andere Gruben angefahren.





Die beiden Schätzchen wurden zunächst zur Instandsetzung in der heimischen Werkstatt abgeladen.



Man sieht an vielen Stellen Licht durchs Blech.



Nachdem 4 Eimer voll Rost abgeklopft waren, ist das Ausmaß der Schäden sichtbar.



Der zweite Wagen ist besser erhalten.



Da eine technisch korrekte Restauration einem Neubau gleichkäme und die Geschichte der Wagen vernichten würde, bereitete ich Bleche zum Einschweißen vor, denn es sollte so viel historische Substanz wie möglich erhalten bleiben. Dazu gehören auch Beulen und Rostnarben, also die Spuren eines langen Arbeitslebens.



Die Schweißgeräte stehen bereit.



Bei dem stark verrosteten Hunt war bereits die Wanne abgesackt und musste ausgerichtet werden.



Die Bleche wurden eingepasst und stumpf verschweißt.



Kleine Durchrostungen wurden direkt zugepunktet.



Nachbau der Rundung.






Alles wurde plan verschliffen, jetzt muss der nächste Winter für die optische Angleichung sorgen.

Wagen 1:







Wagen 2:







Nun wurde das Problem blockierendes Rad angegangen. Die M12 Schrauben des Radnabendeckels mussten auf die ganze Länge ausgebohrt werden.
Dahinter kamen gesunde Radlager mit Fett zum Vorschein.



Nach einer Flutung mit Rostlöser und zwei Stunden zureden mit Abzieher und Fäustel löste sich das Rad von der Achse.



Da alle Radlager gängig waren, konnte alles mit viel Fett und Dichtmasse wieder zusammengebaut werden.  
Ein Flachsplint für das fehlende Gehänge wurde nachgefertigt.



Stellenweise fehlen die Nieten, die den Rahmen
zusammenhalten.



Daher wurde an M16 Schrauben die Köpfe rund gedreht









Zwei Wochen und dreißig Arbeitstunden nach dem Kauf war Probefahrt in Dossenheim. 49 3/4 Jahre nach der Schließung ihrer Grube Eupel fahren die beiden Hunte wieder auf Gleisen.
Nun stammen die Wagen zwar aus dem relativ weit entfernten Siegerländer Eisenerzbergbau, aber der Bezug zu unserer Region ist gegeben, denn im Eisenerzbergbau Waldmichelbach (Odenwald) liefen um 1890-1918 ähnliche Wagen, und die Mangangruben in Waldmichelbach gehörten dem gleichen Bergbauunternehmen wie die Grube Eupel, nämlich der Siegener Eisehütte AG...



Die folgenden Bilder zeigen die Hunte im Einsatz auf der Grube Eupel. Danke Stefan Dützer für das Überlassen der Bilder.
















Hierher passt die Geschichte der Aufarbeitung eines anderen Huntes, die schon länger zurückliegt.

In der Grube Prinzenstein hat mir 1986 dieser Wagen mit Griffen und Speichenrädern besonders gut gefallen. Doch 3 Km tief im Berg über unzählige Verbruchstrecken ist auch hier an eine Bergung nicht zu denken.
Bereits 1990 war der Hunt nicht mehr zu erreichen, da die Hauptstrecke auf halben Weg durch einen großen Verbruch nicht mehr begehbar war. 10 Jahre später wurde die Grube Prinzenstein sowieso endgültig verwahrt. 
Ein Hunt mit Speichenrädern und Griffen war also auch auf meiner Wunschliste.



Vor dem Adelheidstollen bei Holzappel steht noch ein baugleicher Hunt als Denkmal, der auch aus der Grube Prinzenstein stammt.



Wir haben auch so eine Ruine dieses Wagentyps in einem eigentlich unrettbaren Zustand.
Diese Seite sieht eigentlich gar nicht sooo schlecht aus...



dafür ist die Andere umso schlimmer.

Es gab also nichts zu verlieren und so habe ich zunächst die vom Rost zerfressene Hälfte so knapp wie möglich herausgeschnitten.
Zur Verfügung standen rostige 4mm Bleche, die mit Schweißbrenner und Treibhammer über der gesunden Seite des Wagens als Matrize in Form gebracht wurden.













Die Griffe wurden nachgefertigt und die Schweißnähte verschliffen.



Nun fehlten die kompletten Räder. Wie gut, das bereits seit 1986 ein passender Radsatz im Keller lag, welchen wir damals mit Erlaubnis auf der Halde der Grube Victoria Littfeld ausgraben durften. Nun, nach über 20 Jahren, fanden sie Verwendung. Manchmal braucht man einen langem Atem.
Eines der Räder war so weit abgefahren, dass der Grauguss schon an mehreren Stellen weg gebrochen war.
Nachdem sich das Rad als schweißbar herausstellte, bekam es mit einem Flacheisen als Bandage wieder den gleichen Durchmesser wie die anderen drei Räder.











Nun musste auch der Spurkranz erhöht werden.







Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Nach ein paar Jahren haben auch die verschliffenen Schweißnähte Patina angesetzt:

:

Dieser Wagentyp ist für unsere Region besonders interessant, da er der typische Wagen der Stolberger Zink AG ist, der nicht nur die Blei-Zink Gruben an Rhein und unterer Lahn gehörten, sondern neben vielen Anderen auch die Blei-Zink-Gruben in Wiesloch. Historische Fotos belegen, dass dieser Wagentyp im Erzbergbau in Wiesloch eingesetzt war, hier am Schafbuckelschacht:





Unser Zug mit Bergbauförderwagen ist inzwischen ziemlich lang geworden- zu lang. Daher wurden drei Wagen abgegeben, welche nicht mehr so gut ins Sammlungskonzept passen.





 
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Sonntag, 2.7.2017 11-17 Uhr

Sonntag, 24.9.2017 11-17 Uhr

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nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

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