Lorenbergungen

Lorenbergung in Neckargemünd 2010

Die kleine Lore ist noch ganz aufgeregt. Gerade eben ist sie im Feldbahnmuseum Dossenheim angekommen und ist froh, gleich eine neue Freundin gefunden zu haben. Da ihr Kleid sehr rostig und löchrig ist, hat sie sich gleich hinter ihrer Freundin versteckt. Sie schämt sich wegen der Löcher sehr.
Doch wie ist es überhaupt dazu gekommen?




Bis vor kurzem stand die kleine Lore in dem alten Sandsteinbruch in Neckargemünd.
Nachdem die Lore fast ein halbes Jahrhundert auf verschiedenen Baustellen geschuftet hatte, wurde sie um 1960 von Sportlern in den Steinbruch getragen, die dann mit ihr dort einen Sportplatz anlegten.
Als dieser fertig war, stellten die Sportler die Lore neben ihrem Vereinsheim ab. Die kleine Lore freute sich, sie brauchte nun nichts mehr arbeiten, nur ab und zu turnten ein paar Kinder auf ihr herum.
Doch nach einigen Jahren kam niemand mehr, der Platz wucherte zu, das Vereinsheim verfiel und die kleine Lore versank immer mehr im Laub und rostete.




Auf der andern Seite liegen die Schienen aufgestapelt, über die die kleine Lore früher geschoben wurde.

 


Doch eines Tages erschien ein Fotoreporter der Rhein-Neckar-Zeitung um die brütendem Falken abzulichten und entdeckte dabei die kleine Lore. Da er wenig später auch Fotos im Feldbahnmuseum Dossenheim machte, erzählte er dort von seinem Fund.
Die Feldbahner waren sich schnell mit dem Sportverein einig und durften die kleine Lore bergen.




Zunächst wurden die Schienen abtransportiert.




Sie freuten sich sehr, als unter den Schienen auch ein Frosch zum Vorschein kam. Der Frosch ist ein ganz besonderes Exemplar und kann für verschiedene Spurweiten eingesetzt werden.




Die Feldbahner flüsterten der kleinen Lore ins Ohr, dass sie nicht mehr hier im Wald verrotten muss, sondern zu vielen anderen Loren in ein Museum darf. Da freute sich die kleine Lore sehr und rollte fast von alleine die Halde hinunter.




Das letzte Stück hüpfte sie vor Freude, denn sie war lange sehr einsam gewesen.




Doch dann hörte sie die Männer sagen, dass sie die Felswand abgeseilt werden muss. Da bekam die kleine Lore große Angst und machte sich ganz schwer, so dass sich die Feldbahner sehr anstrengen mussten, um sie durch das Gelände zu ziehen.






Zwischendurch half sogar der Fotoreporter mit schieben, da es so schwer ging.




Unter diesem umgestürzten Baum passte die kleine Lore zum Glück durch,




um dann den Hang abgeseilt zu werden. So etwas mochte die kleine Lore gar nicht, sie fühlt sich sowieso nicht wohl, sobald sie keine Schienen mehr unter ihren Füßen hat.




Jetzt musste sie auch noch einen Handstand machen...




und anschließend einen Kopfstand. Die Feldbahner freuten sich, dass die kleine Lore bis hierher unbeschadet gekommen ist.




Dann wurde die kleine Lore zur Strasse geschoben. Sie staunte nicht schlecht. Wie hatte sich in den 50 Jahren, in denen sie im zugewachsenen Steinbruch herumstand, die Welt verändert!




Die Feldbahner legten kurzerhand zwei Schienen an die Mauer und fuhren die kleine Lore mitten auf die stark befahrene Landstrasse.




Dafür musste für eine Minute der Verkehr angehalten werden, die Autofahrer waren sehr erstaunt, was da aus dem Wald rollt.




Dann kam die kleine Lore auf den Anhänger und darauf noch vier je sechs Meter lange Schienen.




Da die kleine Lore überhaupt nicht Auto fahren wollte, schon gar nicht mit Schienen auf der Wanne, schüttelte sich die kleine Lore heftig während der Fahrt, so dass der Anhänger am nächsten Parkplatz abgestellt wurde. Das hatte der Feldbahner sowieso so geplant, denn er wollte noch mehr Schienen am gleichen Abend nur mit der VW Pritsche nach Dossenheim schaffen.



Am nächsten Tag wurde die Last gerecht auf zwei Autos verteilt und die kleine Lore fuhr bereitwillig in ihre neue Heimat.




Ein paar Tage später erschien ein großer Bericht über die Lorenbergung in der Rhein-Neckar-Zeitung, die kleine Lore war Thema in der ganzen Region....



Danke an:
den ehemaligen Besitzer:  TV Kleingemünd 1907
den Vermittler:  A.Müller
an die beiden Helfer: J.Auerbach, M.Schilling




Lorenbergung in Mauer 2005


In Mauer bei Heidelberg gab es außer Steinbrüchen auch viele Sandgruben. In einer davon wurde 1907 der weltberühmte Homo Heidelbergensis gefunden, ein 500000 Jahre alter menschlicher Unterkiefer. Diese Sandgrube wurde in den späten 60er Jahren stillgelegt und verfüllt. Dabei sollen ganze "Lorenfriedhöfe" angelegt worden sein. Grund genug, bei einem sonntäglichen Spaziergang im Jahr 2006 die Augen offen zu halten.




Das Lorengestell lag 50m von der Fundstelle des Homo entfernt und war etwa zur Hälfte mit Material bedeckt.




Die Lore wurde mit meinem Greifzug aus dem Boden gerissen und die Grubenhänge hochgezogen.
Wenige Meter entfernt schaute die Ecke einer Lorenwanne aus dem Boden und wer genau hinschaut kann die Böcke eines weiteren Lorengestells entdecken.




Nun wurde das zweite Untergestell freigeräumt und mit der Stockwinde angehoben, danach kam wieder der Greifzug zum Einsatz.




Das zweite Untergestell ist seinem Grab entrissen.




Dann wurde die Lorenwanne ausgegraben.




Mit Stockwinde und Greifzug wurde die gefüllte Lorenwanne aus dem Boden gehoben und umgedreht.




Nach dem Freilegen präsentierte sich auch die Wanne in unerwartet gutem Zustand.




Eine passende Wanne für das zweite Fahrgestell (links im Bild) fand sich im Westerwald, ein paar Jahre später wurde sie zur Bremserlore umgebaut.


 



Lorenbergung im Hunsrück 2021

Am langen Fronleichnam Wochenende 2021 waren wir mal wieder unterwegs. Schrott einsammeln und Gruben erkunden.
Seit kurz nach dem zweiten Weltkrieg soll eine Lore unterhalb eines alten Steinbruchs in einem Bachbett liegen, kaum noch zu erkennen.
Aufgrund der dicken Rostplatten und einem durch den Rahmen gewachsenen Baum war ich wenig motiviert und holte eher lustlos die Stockwinde vom Anhänger, in der festen Überzeugung, dass die Wurzeln das Fahrgestell nicht hergeben und statt dessen der durch Rost zerfressene Rahmen einfach abknicken wird.




Doch da, die Lore erhebt sich mitsamt dem toten Baum




Noch hält der Baum die Achse fest umklammert











Der Bach hat die Lore also nach 70 Jahren doch wieder hergegeben, es war ein 600 Liter Wagen, nur 1,70m lang. Die Wurzeln des Baumes waren zum Glück schon abgefault, der Rahmen ist zwar abgezehrt, aber nur am einen Puffer durchgerostet. Na dann...



Daneben schaute ein Stück der Lorenwanne aus dem Geröll, aber da ist alles verloren.




Auf mich wartete aber schon länger eine 0,75 er Wanne in einem anderen Steinbruch in der Nähe, die dort ebenfalls lange im Bach lag. Das passende Fahrgestell dafür hatte ich bereits letztes Jahr hier geholt.





Übernachtung im Wald. Das Wetter hätte trockener sein können.




Abladen in Dossenheim. Die Wanne passt auf das Fahrgestell, braucht natürlich ein wenig Liebe um die Löcher und den Verzug zu beseitigen.




Die Wanne ist doch stark verzogen.




Das Fahrgestell aus dem Bach wurde erst mal außerhalb der Gleise gelagert, das Hauptaugenmerk lag nun darauf, die Wanne in einen halbwegs vorzeigbaren Zustand zu bekommen.




Zunächst stand die Beseitigung des Verzugs an. Mit selbstgebauten Pratzen, die ich für Bergungen und Richtarbeiten an Lorenwannen benutze, Spanngurten und Ketten wurde die Wanne brutal in Ihre alte Form zurück gezwungen. Sie muss dabei stark überdehnt werden, dann kommt ein Punkt, an dem es zu Knirschen beginnt und Rost abplatzt. Unbeirrt davon noch weiter kurbeln, das Fahrgestell wird dabei krumm wie eine Banane, aber U-Profil federt wieder zurück, jedenfalls wenn man es nicht übertreibt, so war es dann auch. Der erste Versuch passte gleich, die Wanne fluchtet wieder.






Nachdem die Flucht wieder stimmte, wurde der Rost abgeklopft. Hm, die Jahrzehnte im Bach haben dem Blech schon stark zugesetzt, dabei war es schon vorher durch den rauen Steinbruchbetrieb malträtiert und bekam schon zu Betriebszeiten- also vor 1945- einen Flicken.
Das deformierte Blech soll soweit wie möglich, ebenso wie der Flicken, als Teil ihrer Geschichte erhalten bleiben, ein großflächiges Ersetzen der Bleche kam daher nicht in Frage.
Daher wurden einfach weitere Blechflicken von mir eingeschweißt, um die Lore nutzbar zu machen.






Die fehlenden Schlemper, incl. Bolzen, konnte ich in Frankreich organisieren.




Dazu musste allerdings von 10 auf 17mm aufgebohrt und auf der Rückseite angesenkt werden.




Nun ist der Wagen fertig  und wird in den Lorenzug eingereiht.




Mich fasziniert die Vielfallt, hier die beiden "Schiebegriffe".




Zwei andere Wagen haben einen durchgehenden "Schiebegriff".




Die Bohrungen an diesem Wagen lassen darauf schließen, das hier eine Holzleiste zu Schieben angeschraubt war.




Der hier hat die Luxusversion, Rundstahl rundum.




Sogar die großen 1,25er haben den durchgehenden "Schiebegriff".




Weiter faszinieren die filigranen Puffer der frühen Loren.





Fahrtage
 
Fahrtage:
22.05. und 04.09.2022 11-17 Uhr:
Fahrten mit dem Personenzug
und Schaufahrten mit
historischen Lorenzügen.
Um 13:00 und 15:30 Führung
durch die Feldbahnsammlung
 
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