Die U-Verlagerung Goldfisch



Heute besuchen wir den Geschichtslehrpfad Goldfisch & Brasse, die KZ-Gedenkstätte Neckarelz und das Gipswerk Obrigheim von Heidelberg Zement (ehem. U-Verlagerung Goldfisch).




Nachdem im Zweiten Weltkrieg die Alliierten immer mehr Lufthoheit gewannen und die deutsche Industrie bombardieren konnten, kam man auf die Idee, kriegswichtige Betriebe nach Untertage zu verlagern.
Dafür herangezogen wurden Stollen, Schächte, Steinbrüche, Höhlen, unterirdische Keller, Bunker, Straßen- und Reichsbahntunnel, die jeweils mit Tarnnamen nach einem System versehen wurden, aus dem man erkennen konnte um welche Art es sich handelt. Aber auch komplett neue Anlagen wurden dafür in den Berg gehauen. Die umfangreichen Baumaßnahmen standen unter der Aufsicht der Organisation Todt, die den Arbeitseinsatz eng mit SS und Gestapo koordinierte.
Das Gipswerk Obrigheim mit seinen großen, trockenen Hohlräumen war ideal, vor allem wegen der nahe gelegenen Bahnstrecke. Hier in die Grube Friede zog das Daimler-Benz Flugzeugmotorenwerk Genshagen (Brandenburg) ein.



Zur Errichtung wurden Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge herangezogen, die hier unter menschenunwürdigen und brutalsten Bedigungen schuften mussten und den Bau oft nicht überlebten.
Für deren Unterbringung wurde in Neckarelz eine KZ-Außenstelle in der dafür geräumten Schule eingerichtet.
Bei der Schule wurde eine Gedenkstätte eingerichtet, in der man sich ausführlich über das Leid der Häftlinge informieren kann und - wie ich meine - auch sollte.

Ein paar Bilder zeige ich aus der Gedenkstätte.
Zunächst der LKW Stollen der Anlage "Goldfisch"




Eine originale Lore aus der Anlage. Ursprünglich mal ein Flachwagen, hat man zur Veranschaulichung eine stilisierte Lore nachempfunden.










Start am Geschichtslehrpfad Goldfisch & Brasse vor dem Karlsbergtunnel.




Die roten Punkte sind Stationen des Wanderwegs, die beiden U-Verlagerungen und die ehemalige Eisenbahnstrecke ist zu sehen.








Der ehemalige Bahnhof des Luttenbachtales direkt daneben wird heute noch von einer Firma genutzt.




Das andere Ende des Tunnels, stark beschädigt und mit Einbauten von Nachnutzung nach der Stilllegung.
 



Nach dem Tunnel überquerte die Bahn den Neckar, die Brücke wurde 1945 auf dem Rückzug von den deutschen Truppen gesprengt.






Hier stand auch das als Bunker ausgebildete Kesselhaus. Man hat damit versucht, die Temperatur im Berg konstant zu halten, damit die wertvollen Werkzeugmaschinen und Motorenteile nicht durch Kondenswasser rosten, was angesichts der riesigen Hohlräume zum scheitern verurteilt war.  




Erhalten sind hier noch massive Betonfundamente, die beim Bau
der B292 Treppenförmig abgetragen wurden.




Ein in den Berg gebauter Raum, möglicherweise Unterstand für Wachleute.




Vor der Brücke zweigte ein Stichgleis zur Umschlaghalle des "Goldfisch" Werkes ab. 








Neben der Umschlaghalle die Einbruchpinge des "ElKa" Stollens.



Das Werk und der Eingang des LKW-Stollens ist 39 Meter höher am Berg gelegen.

Daher hat man hier den 200m langen  "ElKa" Stollen angeschlagen, an dessen Ende ein Schacht nach oben in den "Goldfisch" führt. "ElKa" steht für gleisgebundene Elektrokarren. Der Stolleneingang wurde nach dem Krieg gesprengt.







Die Häftlinge wurden auf dem täglichen Weg zur Arbeit in den "Goldfisch" über die Eisenbahnbrücke getrieben und dann diese Treppe hoch. Das Geklapper ihrer Holzschuhe soll weit zu hören gewesen sein.






Ein paar Bauwerke zur Wasserhaltung in der Nähe:













Im Vordergrund rechts der Eingang des Richtstollen der Grube Friede, (U-Verlagerung "Goldfisch"), dahinter vor dem LKW Stollen der Bunker auf dem ein Geschütz zur Flugabwehr montiert war.




Darüber die ehemaligen Verwaltungsgebäude der Grube Friede, heute Wohnhäuser.




Auf der weiteren Wanderung kommen wir an der Einbruchpinge des "neuen Luttenbachstollens" vorbei.




Vom Neckar wurde Wasser in ein Hochbehälter gepumpt, um
die Anlagen mit Brauchwasser zu versorgen. 




Der Abluftturm ist noch schön erhalten. Hier wurden die Abgase der Härterei des unterirdischen Motorenwerks ausgleitet. Man kann sich den Qualm untertage vorstellen, wenn auf 980°C erhitzter Stahl in Ölbädern abgeschreckt wird.










Hier könnte der "Abluft- und Fluchtstollen West" gewesen sein.




Mögliche Überreste des "Abluft- und Fluchtstollen Nord"




Fundamente eines Verwaltungsgebäudes im Luttenbachtal.




Im Luttenbachtal standen bis 1999 auch die Küchenbaracken.










Hier gibt es eine für die Küche gefasste Quelle zu entdecken, außerdem viele Reste von Fundamenten.




Auch der Weg hier hoch ins Luttenbachtal wurde von den Häftlingen von Hand angelegt.

Nun ist auch die "Brasse" in Sicht. Hier in die Grube Ernst sollte das Daimler-Benz Motorenwerk Sindelfingen untergebracht werden. Dazu kam es jedoch durch das Kriegsende nicht mehr.






Davor der Unterstand für Wachleute.








Die Gedenkstätte Neckarelz organisiert einmal im Jahr eine Befahrung mit Reisebussen für 100 Interessierte in die Anlage Goldfisch.
Am Eingang wird es erwartungsgemäß sehr eng für die Busse.




Der Plan zeigt den Ausbaustand zur Zeit der U-Verlagerung. Seitdem hat Heidelberg Zement 72 Jahre weiter gefördert, das Werk ist also inzwischen um ein vielfaches gewachsen.
 



Bei der Befahrung passten die Bergmänner sehr auf, dass keiner unter Tage stiften geht, daher waren nur wenige Fotos außerhalb des Busses möglich. 










Vorbei geht die Fahrt an der Heiligen Barbara die in keinem Bergwerk fehlen darf.




Und vielen dunklen und ein paar ausgeleuchteten Hohlräumen.






Nach 1,6 Km unter Tage erreichen wir dann den Vortragsraum, indem zwei Stunden über die Entstehung von "Goldfisch" und die Entwicklung nach dem Krieg berichtet wird. 
 



Es werden Bilder von den Maschinen der U-Verlagerung gezeigt.
2100 Werkzeugmaschinen wurden in die Stollen gebracht. Diese Zahl muss man erst mal sacken lassen. Der größte Teil wurde nach dem Krieg, unter Aufsicht der für das Gebiet zuständigen Amerikaner, nach Russland verfrachtet.









Hier sind schön die Blöcke der Flugzeugmotoren zu sehen.
Die geplanten Stückzahlen waren hier unter den erschwerten Bedingungen nicht zu halten, man geht von nur knapp 2000 Motoren aus die hier ab dem Herbst 1944 gebaut wurden.




Die Amis interessierten sich natürlich sehr für das was sie hier bei ihrem Einmarsch vorfanden.






Nun noch ein Bild für uns von Heidelberger Zement: Bis in die 60er Jahre wurde mit der Grubenbahn gefördert, hier mit der Grubenlok von Gmeinder. Klar, die Lokomotivfabrik Gmeinder Mosbach ist ja nur ein Steinwurf entfernt.




Wir fahren wieder aus, die Stimmung war schon etwas bedrückt denn es waren auch Nachfahren von KZ-Häftlingen dabei.




Danach war noch Zeit schnell im Gmeinder Werk vorbei zuschauen. Werbeträchtig steht eine alte, kleine Rangierlok davor.










Wieder zurück im Neckartal, in der Nähe der Gipswerke Obrigheim existiert noch die U-Verlagerung "Rotzunge". Hier soll Flugzeugradar produziert worden sein.





In einer weiteren U-Verlagerung brennt sogar noch das Licht! Die Gipsgrube Hornberg Neckarzimmern wird heute noch von der Bundeswehr genutzt.



Nun erkunden wir noch die 1862 eröffnete Bahnlinie Meckesheim-Mosbach weiter und suchen die U-Verlagerung Kormoran.
Den zur Bahnlinie gehörenden Karlsberg Tunnel und die gesprengte Neckarbrücke kennen wir bereits von unserer Tour im Sommer.
Stellenweise lässt sich die Bahnstrecke noch mit dem Auto befahren. Doch jeweils ein Stück vor den beiden Tunneln geht es nur noch zu Fuß weiter.
 



Der Erlesrein Tunnel bei Mörtelstein, 98 Meter lang.









Der Tunnel Asbach-Mörtelstein verfügte mit 890 Meter über eine ausreichende Länge und Überdeckung, um darin die Untertageverlagerung Kormoran unterzubringen, da die Tunnel für zweigleisigen Betrieb ausgelegt waren, aber nur eingleisig ausgebaut wurden. Auf der freien Tunnelfläche sollten Elektromotoren für die Flugzeugindustrie produziert werden. Zu der geplanten Untertageverlagerung, Deckname Kormoran, kam es aber nicht, der Tunnel wurde lediglich als Lager für die Flugzeugmotoren der Anlage Goldfisch genutzt.












Neben dem Westportal des Mörtelsteiner Tunnels gibt es Überreste des KZ-Arbeitslagers Asbach. Es war eines der Außenlager der KZ-Außenstelle Neckarelz. Die hier untergebrachten Häftlinge richteten zunächst das Lager und den Tunnel für die geplante U-Verlagerung her, es wurde nicht vollendet.







Nun noch weiterführende Links:

www.morr-siedelsbrunn.de/wkii/untertageverlagerung-goldfisch-brasse/


www.kz-denk-neckarelz.de/index.php?id=8&L=42121121121212.1





Quellen und Bilder:
KZ Gedenkstätte Neckarelz, Geschichtslehrpfad "Goldfisch und Brasse", Heidelberger Zement.




 

 

 

 

 

 

 
Werbung
 
Fahrtage
 
Sonntag, 19.5.2019 11-17 Uhr
Sonntag, 22.9.2019 11-17 Uhr

Fahrten mit dem Personenzug
nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

=> Willst du auch eine kostenlose Homepage? Dann klicke hier! <=