Lahnmarmor

Was haben die Eingangshalle des Empire State Building, die Eremitage St.Petersburg, der Mainzer, Wormser und Würzburger Dom, die Frankfurter Pauluskirche, die Würzburger Residenz, das Wiesbadener Schloss Biebrich, der Palast des Maharajas von Tagore und die Mannheimer Jesuitenkirche gemeinsam?
Und was hat das mit unserer nächsten Tour zu tun?

Lahnmarmor ist ein polierfähiger Kalkstein, der Aufgrund seiner Farbenvielfalt und Dichte ein begehrter Naturstein war und bei unzähligen historischen Gebäuden seit dem 16.Jh. verbaut wurde.


Zunächst schauen wir uns einige historische Bilder aus den Marmorbrüchen an.








Aus diesem Block entstand die Statue der Europa im Schlosspark Wiesbaden.






Hier wurde auf die Meterspurige Kerkerbachtalbahn umgeladen.












Über 700 Tonnen Marmor gingen 1930 per Schiff zum Bau des Empire State Building. Am Anfang des Transportswegs standen zwei Lokomobile und als nächstes wieder die Kerkerbachtalbahn.







Auch in Deutschlands dunkelster Zeit war der Lahnmarmor begehrt.






Auf dem Werkplatz wurde der Marmor behauen und mit Seilen geschnitten.




Mit dem Eimerkettenbagger wurde die Überdeckung abgetragen.






Die Marmorsteinbrüche an der Lahn sind längst aufgegeben und verlassen, die Natursteine kommen heute günstiger aus Übersee.
Wir wollen nachsehen, was von dieser einst so großen Industrie übrig geblieben ist und beginnen unsere Tour bei den Schubbacher Brüchen.

Die folgenden Fotos stammen aus den Jahren 1998 bis 2013, ich kenne die Marmorbrüche schon seit 1984 durch das Mineralien sammeln.
Bruch 1:






Der Marmor wurde mit Seilen geschnitten, die Masten und Umlenkrollen wurden dazu benötigt.






Unten im Bruch sehen wir einen teilweise verschütteten Seilbagger mit Tieflöffel und auf dem Absatz gegenüber eine Winde.












Ein Bild von 1998 zeigt noch eine Lore, auf die sich der Tieflöffel abstützt.




Der Deutz Motor von Typ F2L514 darin kommt uns sehr bekannt vor, z.B. findet man ihn in Traktoren und Feldbahnloks diverser Hersteller.











Darüber thront der Derickkran auf der Steilwand, mit dem die Marmorblöcke auf den Werkplatz gewuchtet wurden.




Leider sind die meisten Relikte aus diesem Steinbruch verschwunden, denn 2010 wurde der trichterförmige Abbau zu einem Biotop für Frösche ausgerufen. Daher mussten der halbversunkene Seilbagger und die Winden aus dem Bruch verschwinden. Ein riesiger Radlader bahnte sich einen Weg hinunter und zerrte das Wrack des Baggers und das restliche Material hinauf.
Wieviele Frösche dabei wohl getötet wurden und ob sich die überlebenden Frösche darüber freuen, dass endlich der Schrott aus ihrem Teich verschwunden ist?

Zur gleichen Zeit bemühte sich ein befreundetes Museum nach einem Tipp von mir um den Erwerb einiger Teile des Seilbaggers, doch obwohl ein Mann vor Ort fuhr, wurde alles vor seiner Nase verschrottet.




Ein weiterer Abbau direkt daneben.




Schubbach Bruch 2:
Hier dominiert wieder ein Derickkran mit einem Mast aus einem dicken Holzstamm. Ein Schild weißt auf 20 Tonnen Tragfähigkeit hin.
Der eigentliche Abbau ist derart zugewachsen, dass Fotografieren unmöglich ist.








Mit diesen Winden wurde der Kran bedient.
Für die Drehung des Mastes, Heben/Senken der Last und Ausleger Neigen wurde je eine Winde gebraucht.








Relikte der Feldbahn sind hier auch zu finden.






Die Sonne ist schon längst untergegangen für die Steinbrecher aus Schubbach und den umliegenden Orten.
Irgenwann um 1970 muss die Nachfrage schlagartig eingebrochen sein und die Brüche wurden aufgegeben.



Bis ca 1990 stand hier auch ein großer Kalkbrennofen, ähnlich wie in einer Ziegelei.



Schubbach, Bruch 3.
Hier gibt es gleich zwei große Abbaue, die von einem Damm getrennt werden, auf denen die Derekkräne stehen/standen. Im rechten Abbau liegen noch die Marmorblöcke, die nicht mehr hoch geholt wurden.




Am rechten Bruch steht dieser riesige Derickkran mit Stahlgittermast, doch nicht mehr lange, einige Stahlseile sind bereits abgerostet und die restlichen hängen am seidenen Faden (Draht).












Die Reste des Derickkrans für den linken Steinbruch.




Zwischen den Kränen eine gleisgebundene Rollpattform, auf denen die hochgewuchteten Marmorblöcke abgelegt wurden.






Winden auf Schritt und Tritt.












Untertägiger Marmorabbau? Vermutlich nur ein Tunnel für die Förderung mit der Feldbahn.








Die letzten Feldbahnrelikte, die Wannen eines Schnabelrundkippers und einer 750 Liter Lore.






Schubbach, Bruch 4:
Auch hier liegen herausgesägte Marmorblöcke und es gibt noch zwei Winden.








Rund um Schubbach findet man noch unzählige Steinbrüche, bei einem wird diese Hütte aus der Betriebszeit heute noch genutzt.
 



Gaudernbach:
Der abgesoffene Abbau mit Rampe.






2004 stand auch hier noch ein Derickkran, kurz darauf ist er zusammengebrochen und untergegangen.










Das Feldbahnmaterial ist inzwischen verschwunden.




Dieser Wagen war zwischendurch bei der Sanierung des Münsterstollen im Einsatz.




Fürfurth.
In diesem Steinbruch ist heute ein Fischteich. Es sind keine Geräte mehr vorhanden.




Doch Trassen von der ausgedehnten Feldbahn sind erkennbar.








Die Trasse endet an einer Verladerampe an der Lahntalbahn, die hier noch ein drittes Gleis gehabt haben muss.
 



Naturdenkmal und Geotop Unicabruch Villmar:
Unter der abgespannten Plane kann man die anstehende Marmorwand besichtigen.
Auf dem Weg dahin kommt man an einer Winde vorbei- und an einem aus Sicherheitsgründen umgesägten Derickkran...






Da sehen wir uns lieber direkt daneben um. Der nächste Steinbruch hat die U-Verlagerung Rosa angeschnitten und zum Großteil abgetragen.
Die Nazis ließen hier Stollen in den Berg treiben, um darin eine Luftzerlegungsanlage zur Sauerstoffproduktion von den Firmen Messer und Linde einzubauen. Der Sauerstoff wurde als Raketentreibstoff benötigt und per LKW zur V2-Raketenstellung im Wirbelauer Wald gefahren.
Der Decknahme Rosa ist wohl auf den rosa schimmernden Marmor zurückzuführen. Viel ist von der Anlage nicht mehr übrig.
















 
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Fahrtage
 
Sonntag, 2.7.2017 11-17 Uhr

Sonntag, 24.9.2017 11-17 Uhr

Fahrten mit dem Personenzug
nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

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