Steinbruch Schriesheim
Heute machen wir eine Exkursion in den Steinbruch Schriesheim. Er liegt am Gipfel des 450m hohen Ölbergs über der Strahlenburg und den Weinbergen.





Zunächst erwandern wir die Nordflanke des Ölbergs. In diesem kleinen Schurf hat um 1880 alles angefangen. 1890 wurde dieser kleine Bruch allerdings schon wieder aufgelassen.


Neben uns ist bereits die Abbruchkante des großen Steinbruchs. Ab 1899 wurde hier abgebaut, zunächst an der südlichen Bergflanke.
Dort wollen wir gleich nachsehen, ob sich etwas aus dieser Zeit finden lässt.


An der anderen Seite des Steinbruchs angekommen, setzen wir zunächst den Rucksack ab...


... und öffnen einen Schachtdeckel.


Spät am Abend haben wir eine Strickleiter organisiert und klettern vier Meter hinunter.


Wir befinden uns in einem unterirdischen Bremswerk. Es gehörte zu einem zweigleisigen Bremsberg, von dem aber außen nichts mehr zu sehen ist, da die Trasse in jüngeren Abbauperioden überbaut wurde. Das Bremswerk dürfte aus der Anfangszeit des Steinbruch stammen und bis um 1930 in Betrieb gewesen sein.


Die beiden Seiltrommeln und in der Mitte die Bremstrommel mit Bandbremse.


Der Bremsbacken aus Holz.


Ein Lager mit Stopfbüchse.




Eine der beiden Umlenkrollen, davor die Öffnung in der Wand, durch die das Seil lief.


Hier kamen die beiden Seile aus dem Berg, mit denen die Loren den Bremsberg hochgezogen und abgelassen wurden.
Im linken Bildrand eine der vier Schienen, die einst hier endeten. Von den anderen Schienen sind auch kleine Reststücke vorhanden, Spurweite 600mm.




Die beiden kleinen Seilscheiben waren einst auf Holzbalken geschraubt, die längst nicht mehr existieren. Daher haben wir die kleinen Seilscheiben bereits für das Museum gesichert und aufgestellt.


Nun sehen wir uns weiter im Steinbruch um, hier auf der 3. Sohle.




Im heute bewaldeten Teil der 3. Sohle gab es einmal eine LKW Halle.
Links im Vordergrund einer der Pfosten, dahinter die Untersuchungsgrube.


Eine LKW Pritsche, verstärkt mit Feldbahnschienen.


Die Wanne eines Ur-Dumpers.



Blick von der zweiten Sohle auf die höhergelegenen Terrassen.


Seilbahnwannen.


Nun machen wir eine Gratwanderung zum Gipfel des Berges.
Dieses Schild sollte man durchaus beachten.


Auch hier stoßen wir auf uralte Abbaue, doch selbst hier liegen noch Schienen (im Vordergrund linkes Bilddrittel).


Der Ausblick auf den Steinbruch, der  durch die sichelförmige Krümmung der Höhenstufen wie ein riesiges Amphitheater über der Stromtalebene des Rheines als Bühne daliegt.



1919 war der Steinbruch bis an den Gipfel herangerückt. Hier gab es eine eindrucksvolle Felsgruppe mit bis zu 10m hohen Felsen, die  weithin sichtbar war,  mit der Bezeichnung Edelstein. Leider viel  sie "versehentlich" den Gesteinssprengungen zum Opfer, obwohl kurz vorher unter Denkmalschutz gestellt. Ebenso auch Reste keltischer Ringwälle am Nord-West-Grat. 
Diese kleine Felsengruppe dürften die letzten Überbleibsel des Edelsteins am heutigen Gipfel sein.



Nun sind wir bereits auf die fünfte Sohle abgestiegen, die sich nur über die südliche Steinbruchhälfte erstreckt. Die hier vorgefunden Feldbahnschienen sind schon im Endstadium der Auflösung. 




Ein ehemaliges Betriebsgebäude mit  neuer Aufstockung.


Auch von hier aus hat man einen großartigen Ausblick.


Auf der vierten Sohle gab es bis in die 90er Jahre einen Stapel mit 8 Feldbahnweichen. Die unterste davon ist noch vorhanden, da sie direkt in der Humusschicht liegt und daher stark zersetzt ist. Aus den wenigen brauchbaren Teilen der anderen sieben Weichen konnten wir wenigstens drei Weichen für unser Museum neu aufbauen.



Nun wollen wir den Materialfluss nachverfolgen. Vor uns liegt eine frisch gesprengte Wand, was in stillgelegten Steinbrüchen eigentlich eher selten vorkommt. Der Grund ist, dass die Förderung über Nacht eingestellt werden musste, da 1967 die Talstation der Materialseilbahn abbrannte.
Hier wurde mit Radladern in LKW und Dumper geladen.


Und damit diese extra aufgeschüttete Rampe zum Brecher hochgefahren.


Einige Jahre vorher fuhren hier noch Loren, vor der Rampe kann man vereinzelt Schienen an der Abbruchkante zur zweiten Sohle finden.


Der Trichter, in den die LKWs abkippten


Die Aufgeschüttete Rampe daneben ist mit alten Seilbahnmasten und Längsschwellen abgestützt...


...die stellenweise nachgegeben haben und sich bedrohlich über die Bruchkante zur 2. Sohle neigen.


Auch die Zahnstange eines Löffelbaggers wurde hier zur Wandsicherung verbaut.


Der Trichter von oben


und von unten.
Zu unserem Ärger ist er komplett mit Feldbahnschienen ausgekleidet.


Hier stand der Brecher.




Die Materialrutsche zu den Silos.


Daneben ein Bremsberg in Meterspur, schon seit Jahren abgebaut.


Die Füllörter der Silos, von hier aus wurde zunächst mit Loren zur Bergstation der Materialseilbahn gefahren, später ging die Seilbahn bis hierher.









Ein abgetrennter Seilbahnmast.




Hier waren die Trafos und die Kompressoren für den Steinbruch untergebracht.




Der hintere Anbau beherbergte einst eine LKW-Werkstatt.


Direkt darunter die wenigen Überreste der Bergstation der Materialseilbahn. Sie hatte einmal 1500m Länge und 200m Höhenunterschied.


Die Seilbahnwannen sind noch überall im Wald zu finden.


Ebenso das Tragseil.

Die Seilbahn transportierte das vorgebrochene Material bis an die B3, dort wurde es zu Baumaterial wie Edelsplit und Eisenbahnschotter weiterverarbeitet. Abtransportiert wurde mit der Porhyrbahn auf der OEG Strecke, die hier ein Dreischienengleis hatte und auch die drei Dossenheimer Porphyrweke bediente.
Hinter Dossenheim bog die normalspurige Bahn ins Neunheimer Feld ab, während die Meterspurige OEG nach Handschuhsheim fährt. Die Güterbahn hatte sogar eine eigene Neckarbrücke zum Heidelberger Güterbahnhof, was die Bedeutung des Gesteinsabbaus für die Region in früheren Zeiten unterstreicht.
Zeitweise waren 200 Arbeiter in jedem Steinbruch beschäftigt.


Zurück auf der 2. Sohle stehen wir vor der Schmiede. Hier wurden die vielen Schienen, die im rauen Steinbruchbetrieb ständig verbogen wurden, glühend gemacht und gerade gerichtet. Zwei Schmiede waren hier zur Betriebszeit der Feldbahn nur mit dem Richten der Schienen beschäftigt. 


Dahinter befanden sich im Kessel der 2. Sohle viele Weichen in teilweise erbärmlichen Zustand.
.

Auf der ehemaligen Feldbahntrasse über der Materialrutsche entdeckten wir merkwürdige Hebel, die aus dem Waldboden ragen.


Nach dem Freilegen war unsere Vermutung bestätigt, es ist eine Gleiswaage.




Durch die Öffnung kann man in das "Untergeschoss" schauen

Die Waage wurde vermutlich zur Bezahlung der Arbeiter benötigt, die im Akkord Loren vollschaufeln mussten.

Der Steinbruch ist eigentlich Naturschutzgebiet.


Doch ist ein Korridor zum Klettern eingerichtet. In der Wand rechts außerhalb des Bildes brüten Falken. Ob die sich wohl daran stören, daß des öfteren ein Rettungshubschrauber vor ihrem Horst landen muss, weil wieder ein Kletterer mangelhaft gesichert war? 
Fußgänger dürfen jedenfalls nicht da rein.


Das war`s, wir verlassen den Steinbruch auf dem ehemaligen Betriebsweg. Hier ging mal eine Feldbahnbrücke von der 1. Sohle zu einer Bergehalde.



Doch halt, da war doch noch was. Auf der 4. Sohle liegt ein Brecherbacken.


Diese ist nur über eine starke Steigung und Schlammlöcher zu erreichen. Daher blieb er Anhänger zuhause und der Stahkoloß  wurde kurzerhand mit der elektrischen Seilwinde in den Kofferraum gezerrt.




Er war doch viel schwerer als angenommen, so daß der arme Passat fast ständig aufsaß. Zum Glück hat die AHK den Tank  vor größeren Beschädigungen bewahrt.



Der Bercherbacken ist nun als Handzerkleinerungsplatz nach historischem Vorbild im Museumshof platziert.




Dann gab es auch noch die Bergung der Gleiswaage, doch dies ist eine andere Geschichte.

http://www.feldbahn-dossenheim.de.tl/Bergung-der-Gleiswaage-in-Schriesheim.htm



 
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Fahrtage
 
Sonntag, 2.7.2017 11-17 Uhr

Sonntag, 24.9.2017 11-17 Uhr

Fahrten mit dem Personenzug
nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

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