Papier und Schiefer in Thüringen
In Blankenberg gibt es eine Papierfabrik, die bis 1994 in Betrieb war. Sie war mit einer weiteren Papierfabrik im Nachbarort Blankenstein über eine zwei Km lange Feldbahnstrecke verbunden. Die Strecke führte direkt an der Saale entlang. Hier verlief auch die innerdeutsche Grenze bis 1989, was zu absurden Sicherheits- maßnahmen führte. So wurde der Lokführer während der Fahrt in der Lok eingeschlossen und Grenzsoldaten fuhren auf dem Zug mit.



An einem Wochenende im Mai 2013 trafen sich hier Feldbahnfreunde, um die Feldbahnstrecke zu aktivieren und mit ihren mitgebrachten Fahrzeugen zu befahren.
Ursprünglich wollten wir anschließend eine Woche Urlaub in Thüringen machen, doch wegen des schlechten Wetters fuhren wir mit anderen Feldbahnfreunden nur für zwei Tage. Mit dabei war meine ganz neu gebaute Motorlore.

Mehr zum Bau der Motorlore:
http://feldbahn-dossenheim.de.tl/Kranwagen-und-Motorlore.htm

Das Bild zeigt unsere Pension, mit Denkmallore im Vorgarten. Mit Lorenblick schläft man besser.



Nun sind wir in Blankenberg und gleisen die Motorlore auf, die ihrer Jungfernfahrt entgegensieht.



Zunächst werden Weichen gängig gemacht und Gleise freigelegt.



Es kommen immer mehr Feldbahner und bringen Loks und Loren mit.





Nun wird die wunderschöne Strecke entlang der Saale befahren.





Hier sind die Reste des Grenzzaunes, des Eisernen Vorhangs, zu sehen.



Als Alica das Steuern übernimmt, setzte ich mich auch mal in die Lorenwanne. Diese ist aber für mich doch ein bisschen zu kurz geraten und ich musste mir die Knie abpolstern.



Dann kam der Bürgermeister und schloss uns die Papierfabrik auf.
Wir stürzten uns sofort auf die darin abgestellten Loks.




Eine CKD BN30r





Die Ns2h war angekettet, damit sie nicht in den Westen abhaut...


Nachdem die Lok von uns als rollfähig befunden wurde, wurde sie kurzerhand mit Torstens Ford ins Freie gezerrt, um den weiteren Zustand zu untersuchen.

http://www.youtube.com/watch?v=Ophhxp3VfDs
 


Allerdings ein bisschen zu weit, hier waren die Gleise noch gar nicht freigelegt.
 


Nachdem ich den Zustand des Motoröls und dessen Fördermenge überprüft habe, wurde ein Startversuch gewagt.





Vorher musste die marode Elektrik überbrückt werden.



Doch die Versuche waren vergebens, das zu Betriebszeiten mit Schläuchen geflickte Kraftstoffsystem war nicht dicht zu bekommen, da mir Dichtungen und neue Leitungen fehlten. Daher zog die Einspritzpumpe immer wieder Luft.

http://www.youtube.com/watch?v=vKK3wvg4u-I



Während wir an der Lok arbeiteten, legte der Rest der Truppe die Gleise frei und schob die Wagen vom zugewachsenen Abstellgleis auf die Fahrstrecke.







Die Ns2h wurde wieder eingegleist und in den Hof der Fabrik gezogen.

http://www.youtube.com/watch?v=J65A8q9FAhU
 












Bei einem Regenschauer stand die Besichtigung der Fabrik an.





Die Papiermaschine wurde 1904 auf der Weltausstellung vorgestellt und war von 1909 bis 1994 in Betrieb.



















Danach krallten wir uns die Säurewagen, die früher hier eingesetzt waren, und hauten Richtung Westen ab.







Es verfolgte uns die Schienenschwalbe mit einem angehängten Liegestuhl.



Doch ein O&K Fahrer jagte uns die Wagen wieder ab.



Als wir die Wagen wieder hatten, schlugen wir die Schwalbe mit ihrem Anhängsel in die Flucht:



Und so ging das Rennen aus:
http://www.youtube.com/watch?v=gO-uYEamm6A



Inzwischen hat sich der O&K Fahrer Loren geschnappt, während der Diema Fahrer immer noch mit einer Überbesetzung wie auf Indischen Zügen zu kämpfen hat und zu allem Überfluss auch noch von Paparazzi abgelichtet wird.



Dann hängten wir auch noch den Papierwagen an, der sofort von den Indern geentert wurde.



Soweit der Spaß, neben der Strecke sichteten wir immer wieder Reste der Grenzsicherungen.



Gegen Abend wurde die Gruppe leider schnell kleiner und unsere Motorlore war das einzig verbliebene Zugfahrzeug.



Wir ließen den Zug in der Mitte der Strecke stehen, stiegen auf den Berg und schauten auf die zweite Papierfabrik in Blankenstein, die noch in Betrieb ist. Unter uns verläuft die Saale und die Feldbahnstrecke. Irgendwie schwer vorstellbar, dass es den Menschen hier früher unmöglich war, auf die andere Seite des Flusses über den Eisernen Vorhang zu gelangen.



Abendliches Grillen.



Es gibt Glühwein gegen die Kälte! (Ende Mai!!!)



Sonntags schüttete es wie aus Kübeln und die Gruppe schrumpfte nach jeder Fahrt.











Unser Treiben interessierte auch die Presse:


http://schleiz.otz.de/web/lokal/leben/detail/-/specific/VW-Kaefer-Motor-oder-Schwalbe-auf-Schienen-Ungewoehnlicher-Bahnverkehr-an-Papie-141959261


Nun ging es weiter nach Lehesten. Im Staatsbruch wurde über und unter Tage Schiefer abgebaut und einiges museal hergerichtet.















Der Tagebau hat gigantische Ausmaße.


Der Schrägaufzug in die U-Verlagerung "Kaulquappe".





Eine bunte Ns3.



Schieferförderwagen



Der überdachte Pferdegöpel, davor bunt bemalte Akkuloks.



Der Pferdegöpel von der anderen Seite und der Schornstein einer unterirdischen Dampfpumpe.



Das Wetter war hier kaum auszuhalten, deshalb holten wir wieder den Anhänger mit der Motorlore in Blankenberg und traten die Heimreise an in der Gewissheit, dass dies nicht der letzte Besuch war.



Die nächste Tour nach Thüringen ließ auch nicht lange auf sich warten.
An einem Freitagabend Anfang Juli wurde der Passat mit viel Schrauberwerkzeug, noch mehr Oelkanistern, Untertageausrüstung, Zelt, Schlafsäcken und Proviant bepackt.



An der Papierfabrik angekommen, zogen wir diesmal die 6,5t schwere NS2h mit dem Passat aus der Halle, in voller Überzeugung, dass sie aus eigener Kraft wieder hinein fährt.





Dann wurde die Lok für Wartungs- und Reparaturarbeiten aufgebockt.





Hier ist bereits das Motoröl abgelassen und neues (16 Liter) eingefüllt.



Als nächstes wurde das Ventilspiel eingestellt.



Der Ölkreislauf und die Kraftstoffleitungen bekamen viele neue Kupferringe, so dass nun alle Undichtigkeiten beseitigt sind.
Nach drei Stunden Einstellarbeiten und Schmierdienst lief die Lok sauber und wir wagten uns mit ihr auf die Strecke.
Nach der Probefahrt rangierten wir die vier Wagen dahinter, dazu musste auch die tschechische BN 30 kurz ans Tageslicht.






Der Rest des Tages fuhr der originale blankenberger Zug zum ersten mal seit 1994 wieder auf seiner Strecke.

http://www.youtube.com/watch?v=gNcNdDG7Lyg

http://www.youtube.com/watch?v=DYoJfKbrr98










Ein Geisterfahrer taucht auf. Es war der Bürgermeister, der, sichtlich angetan von unserem Treiben, nach dem Wohlbefinden seiner Lok schaute, obwohl er sie bei dem nach seinen Worten "Professor aus Heidelberg" und seinen Freunden in guten Händen wusste.
 




Dieses Bild zeigt die Papierfabrik 1921, unten links mit Dampflok.




Nachdem der Samstag äußerst erfolgreich war, ging es am Sonntag nach Lehesten. Doch dieses mal stand nicht der abgesoffene Staatsbruch auf dem Programm, sondern der Oertelsbruch mit seinen vielen Schieferstollen und der U-Verlagerung "Rotbutt".

Wir starten an der Gedenkstätte des Außenkommando "Laura" des KZ Buchenwald. Die Häftlinge wurden beim Bau der Triebwerkteststände im Steinbruch und den unterirdischen Produktionsanlagen eingesetzt, unter den bekannten grausamen Bedingungen. 

 


Dieses Bild zeigt die oberirdischen Anlagen und die Wagen zum Transport der Triebwerke.

 


Auf dem Weg zum Steinbruch kommen wir an vielen verfallenen Gebäuden vorbei.





Hier ist wohl nichts mehr zu retten.




Die Gebäude mit Schienen wecken natürlich unser Interesse.








Die Villa der Familie Oertel. Nicht nur in diesem Gebäude gehen Stollen im Keller ab.



Daneben der Reitstall mit einer Mistfeldbahn.



Im Vordergrund eine Drehscheibe.



Die hölzerne Stalllore.



Nun geht es in den Schieferbruch.



Bald erreichen wir einen Teststand für die V2 Raketen.





Als wir den Luftschacht  finden, ist uns klar, dass "Rotbutt" unter uns ist.



Zunächst schauen wir uns weiter im Schieferbruch um. Man beachte die Person im Vordergrund.



Unterirdische Anlagen gibt es genug zu entdecken, die Grenze zwischen U-Verlagerung und Bergbau ist fließend.










 In dieser Wand befahren wir den ersten Schieferstollen.



 








Über Tage hat sich die Natur das Gelände wunderschön zurückerobert, alles scheint idyllisch...





... doch unter Tage finden wir in der ehemaligen Kriegsfabrik eine bedrückende Zerstörung vor.





Die nun folgenden Bilder zeigen die ehemaligen Produktionshallen, in denen Sauerstoff durch Luftzerlegung gewonnen wurde und Triebwerke für die Raketen gebaut wurden.
Die von den Russen 1948 zerstörten unterirdischen Hallen sind jeweils 300-800 Quadratmeter groß. Da ich zum Fotografieren allein darin war, habe ich leider keine Personen zum Größenvergleich. Es war gigantisch. Haushohe Trümmer überall.










Manche Hallen hatten Stahlkonstruktionen, an denen die Produktionsanlagen und die Rohrleitungen befestigt waren, Stahlnetze schützten die Produktionsmaschinen vor Steinschlag.







Die Verbindungstollen wurden auf ein Profil von 4x5m erweitert.



Dazwischen gab es Schächte.



In dieser gut 10m hohen Halle wurden die Betonsäulen unten weggesprengt. Dadurch stürzte der hintere Teil der Halle ein, doch im vorderen Teil hielt die Betondecke stand und die riesigen Säulen baumeln an ihren Moniereisen. 






Diese Verbruchstrecke war kein Hindernis.



Zwischen den Hallen gab es Abbaukammern, die nicht für die U-Verlagerung erweitert und ausgebaut wurden.



Auf der Sohle darüber waren die Kühlmittelleitungen untergebracht.

Nachdem ich die Anlage oberflächlich erforscht hatte, schaute ich mir mit Alica noch einige Schieferstollen an. Unsere Mitbefahrer hatten sich inzwischen schon längst verabschiedet.
















Große Schieferabbaukammer aus zwei Richtungen gesehen.



Es ist erstaunlich, wie dicht der Schiefer ist, denn nicht weit unter dem abgesoffenen Abbau befuhren wir vorher den Stollen darunter.



Eine Bremsbergrampe, umgeben von Wollgras.



Unmengen weiterer Stolleneingänge, in die wir nur stichprobenartig hineinschauten.









Nach 8 Stunden im Oertelsbruch liefen wir wieder die Rampe der ehemaligen Zahnradbahn hoch, in der Gewissheit, nur die Spitze des Eisbergs der untertägigen Anlagen gesehen zu haben.
 
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Fahrtage
 
Sonntag, 2.7.2017 11-17 Uhr

Sonntag, 24.9.2017 11-17 Uhr

Fahrten mit dem Personenzug
nach Bedarf, zwischendurch
mit vier Lorenzügen

Führung durch die Feldbahnsammlung
um 13:00 und 15:30 Uhr
 
 
 
 

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